Interview zur aktuellen Lage

Mit Manfred Langner und Jochem Hochstenbach

„Auf der Suche nach der Virenoper“ – erschienen am 28.04.2020 im Trierischen Volksfreund

Theaterleute nähen Mundschutz, schreinern Spuckwände oder helfen in der Stadt. Doch wann gehen Schauspiel, Tanz und Konzerte wieder los?

TRIER Eigentlich hätte das Trierer Theater am Donnerstag präsentiert, welche Opern, Musicals, Ballett- und Schauspielstücke in der nächsten Spielzeit auf dem Programm stehen. Doch seit dem 13. März ist das Haus wegen Corona geschlossen. Wie lange, weiß niemand. Das Gespräch mit Intendant Manfred Langner und Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach führten die TV-Redakteurinnen Anne Heucher und Verona Kerl via Zoom, der App für Videokonferenzen.

Herr Langner, Herr Hochstenbach, die Politik verbietet Großveranstaltungen, es herrscht das Gebot von Mundschutz und Abstandswahrung – ist damit das Ende der laufenden Spielzeit bereits besiegelt?
MANFRED LANGNER Das weiß man nicht. Ich würde erst mal sagen, nicht die Politik verbietet, sondern das Virus verbietet. Die Gesundheit der Zuschauer und der Mitarbeiter geht über alles, deswegen habe ich großes Verständnis für die Maßnahmen, die da passieren, auch wenn einem das Herz blutet. Aber im Augenblick kann man nicht unvernünftig sein, und je länger wir vernünftig sind, desto eher können wir das Theater wieder aufmachen. Ob damit die Spielzeit komplett besiegelt ist, kann man jetzt noch nicht sagen, wir entscheiden immer wieder nach dem, was aus Berlin und Mainz und von unserer Stadtspitze angeordnet wird.

Was wird denn bis Ende der Spielzeit im Theater noch stattfinden? Gibt es etwas, wovon wir schon ausgehen können?
LANGNER Nein. Man kann nicht zusagen, dass irgendetwas stattfindet. Ich glaube, man kann schon relativ ausschließen, dass große Produktionen stattfinden werden. Das sagt einem nicht die Politik, sondern der Menschenverstand, dass jetzt kaum denkbar ist, dass wir eine Oper spielen, bei der viele Musiker im Raum sind und viele Sänger auf der Bühne, und die Zuschauer im Saal – das wäre zu gefährlich, was die Infektionsgefahr angeht. Aber ich kann nicht ausschließen, dass wir vielleicht noch kleine Produktionen vor wenigen Zuschauern machen können. Wir sind nebenbei nicht untätig, sondern bereiten auch kleinere Sachen vor.

Das Musiktheater und die Sinfoniekonzerte trifft die aktuelle Situation wohl am härtesten, da in diesen Bereichen Online-Proben mit vernünftigem Üben nur sehr eingeschränkt möglich sind. Herr Hochstenbach, wie erleben Sie im Moment Ihren Beruf als Generalmusikdirektor? Wie planen Sie, wie bereiten Sie sich auf die weiteren Monate vor?
JOCHEM HOCHSTENBACH Gute Frage. Das Künstlerherz, das blutet heftig. Natürlich menschlich ist völlig
klar, dass man die Situation so nehmen muss, wie sie ist. Als Dirigent würde ich gerne heute wieder anfangen zu proben. Ich vermisse die Proben heftig, und ich würde sie auch nicht gern anders machen wollen. Es ist tatsächlich fürs Orchester am schwierigsten, in dieser Situation zu funktionieren, weil man sich als Gruppe nicht treffen kann. Auch wenn wir alle mit Mundschutz und eineinhalb Meter Abstand arbeiten würden, ginge das ja nur für Streicher und Schlagzeug, aber nicht für Bläser. Aber so weit sind wir noch nicht einmal. Planen ist sehr sehr schwierig. Jetzt suche ich für die Sinfoniekonzerte und auch mit Jean-Claude Berutti für die Oper nach zukünftigen Alternativen, um, sobald wir wieder mit wenigen Leuten etwas machen können, wir kleine Kammeropern oder Opern, die man vielleicht stark reduzieren kann, zu spielen. Es kann auch sein, dass man sagt, es geht nur mit zwei Leuten, dann müsste ich selbst das Orchester am Klavier spielen. Ich muss alle Optionen und Szenarien offenhalten.

Das komplette Interview finden Sie unter: https://www.volksfreund.de/region/kultur/interview-intendant-manfred-langner-und-generalmusikdirektor-jochem-hochstenbach_aid-50274001