Phönix aus der Asche

Bericht von Katharina de Mos

Erschienen im Trierischen Volksfreund am 27. Dezember 2019

Schluss mit Schlamassel: Nach schwierigen Jahren geht es dem Trierer Theater 2019 blendend.
Das Publikum strömt in Scharen. Schon mehr als 76 000 Tickets wurden für die laufende Spielzeit verkauft.

TRIER Wer das Drama liebt, Konflikte, Intrigen, unerwartete Wendungen und Happy Endings, dem sollte man die Geschichte des Trierers Theaters erzählen. Ein Haus, das vor wenigen Jahren auf seinem Tiefpunkt angekommen war. Akut sanierungsbedürftig, politisch infrage gestellt, von Streit geplagt, von Skandalen geschüttelt und tief in den roten Zahlen. Als Intendant Manfred Langner das Trierer Drei-Sparten-Haus 2017 zum ersten Mal besuchte, sei alles traurig gewesen: Die Damen an der Kasse hätten traurig dreingeblickt, die Zuschauer in den halbleeren Reihen und selbst die Schauspieler auf der Bühne. Was hat sich seitdem verändert! Traurige Blicke gibt es heute meist dann, wenn alle Karten schon weg sind – und das passiert zuletzt ziemlich häufig.

In der Spielzeit 2018/2019 kamen rund 105 000 Zuschauer (Vorsaison: 86 000). Rechnet man die Gastspiele mit, waren es sogar mehr als 115 000 Besucher (Vorsaison: 92 000). Das mittelfristige Ziel von Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der die 100 000er-Marke knacken wollte, wurde bei einer Gesamtauslastung von 86 Prozent so bereits übertroffen. Ebenso wie die finanziellen Erwartungen. Rund 110 000 Euro nahm das Haus in der vergangenen Spielzeit wegen der vielen verkauften Tickets mehr ein,
als erwartet. Mit reichlich Rückenwind aus dem Rathaus ist es Langner und seinem Team gelungen, die Menschen der Region wieder für das zu begeistern, was auf der Bühne passiert. Kaum ein Stück, das nicht mit Standing Ovations endet. Sehr viele Produktionen – darunter „Blue Jeans“, „Piaf“, „Politisch korrekt“, „Madama Butterfly“ oder „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“ – waren mit einer Auslastung zwischen 95 und 100 Prozent so beliebt, dass fast alle Karten weggingen. „Wir müssen das Vertrauen der Stadt erst wiedergewinnen“, hatte Langner gesagt, als er seine erste Bilanz zog, und zeigte sich zuversichtlich, dass das Theater da auf einem guten Weg ist.
Inzwischen gibt ihm der erste Teil seiner zweiten Saison recht. Schon jetzt wurden für die Spielzeit 2019/20, die noch bis Juli 2020 läuft, 76 500 Tickets verkauft. Das Weihnachtsmärchen „Aladin und die Wunderlampe“ liegt bei 21 297 Tickets und ist damit erfolgreicher als andere Kinderstücke der vergangenen Jahre (eingeschlossen „Der Zauberer von Oz“). Die Erfolgsproduktion „Souvenir“ wurde laut Theaterpressesprecher Christoph Traxel als Gastspiel ans Hessische Staatstheater Wiesbaden eingeladen sowie „Carmen/Bolero“ an das Theater Lindau. Beides für Januar 2020. Zahlreiche Produktionen erreichen aktuell eine Auslastung von mehr als 90 Prozent: „Aladin und die Wunderlampe“ 97,7 Prozent, „Blackbird“ 96,2 Prozent, „Nathan der Weise“ 93,6 Prozent, „Rain Man“ 93,1 Prozent, „Carmen/Bolero“ 94,7 Prozent.

Das Team blicke auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück, sagt Intendant Langner. „Wir sind stolz, dass wir das Publikum nach der Spielzeit 2018/19 auch weiterhin so sehr begeistern können.“ Es sei für ihn auch 2019 „eine große Freude, Theater in Trier machen zu können“. Nicht ganz so blendend läuft es hingegen in Sachen Theatersanierung. Zwar wurde der Grundsatzbeschluss gefasst, das Haus für 50 Millionen Euro auf Vordermann zu bringen. Allerdings zieht sich das Prüfverfahren der Genehmigungsbehörde so lange hin, dass der Zeitplan ins Wanken gerät. Dieser sieht vor, dass das frisch umgebaute Theater – nach drei Übergangs- Spielzeiten in einem Neubau an der Tufa – im Herbst 2024 wieder öffnet. Ganz ohne Spannung und Probleme geht es am Trierer Theater dann doch nicht.