„Wenn die Luft wegbleibt“

erschienen im Trierischen Volksfreund am 11. Oktober 2020

 

Trier. Schmerzvolle Seelenentblößung: Sara von Schwarze inszeniert fürs Theater Trier das Monodram „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ mit Klaus-Michael Nix.

Eine Zumutung! Als solche empfindet Emanuel Goldfarb die Bitte eines Sozialkundelehrers, vor seiner Klasse einen Vortrag über sein Leben als Jude in Deutschland zu halten. Bedeutet es doch, dass sich der Journalist mit seiner Biografie befassen muss, über die er offensichtlich lange nicht mehr nachgedacht hat. Und so setzt er sich spontan an seinen Laptop, um einen Brief zu schreiben, der eine Absage werden soll, der allerdings dazu führt, dass er immer tiefer in Grübeleien über sein eigenes Leben als Jude in Deutschland versinkt.

„Ein ganz gewöhnlicher Jude“ ist der Titel von Charles Lewinskys Mono­dram, das Sara von Schwarze mit Klaus-Michael Nix in der Europäischen Kunstakademie inszeniert hat. Von Schwarze wurde in München geboren und kam als Dreijährige nach Israel, wo sie in einer ultra-orthodoxen Umgebung aufwuchs und das Gefühl der Unbehaustheit am eigenen Leib erleben musste. Was den Schluss nahelegt, dass die überzeugende Figurenzeichnung nicht zuletzt durch die Erfahrungen der Regisseurin abgerundet wurde.

Wer also ist dieser Goldfarb, dessen mehr angedeutete als ausgestaltete Umgebung ihn als Intellektuellen klassifiziert (die Bücher im Regal, die auf dem Boden verstreuten Zeitschriften – das karg-kalte Bühnenbild stammt von Avi Sechvi)? 1959 geboren, ist er „nur“ ein Nachleidender, kein unmittelbar Betroffener, der dennoch die Traumata seiner Eltern und Großeltern niemals aus seinen Genen herausbekommen wird…

 

Die gesamte Kritik zum Nachlesen auf volksfreund.de:

https://www.volksfreund.de/region/kultur/theater-trier-zeigt-ein-ganz-gewoehnlicher-jude_aid-53977527