Ein ganz gewöhnlicher Jude

Frühjahr 2020

Studio

Jude zu sein ist keine Behinderung, an die man nicht gern erinnert wird.

Monolog einer Abrechnung von Charles Lewinsky

Der Journalist Emanuel Goldfarb wird darum gebeten, der Einladung eines ihm unbekannten Lehrers folgend, vor einer Schulklasse über sein Leben als Jude in Deutschland zu sprechen. Diese Anfrage bringt bei Goldfarb ein wahres Feuerwerk der Gefühle im Hinblick auf sein „ganz gewöhnliches“ Jüdisch- bzw. Deutschsein zum Ausbruch – hat der in den 1950ern geborene Atheist doch mit der Nazizeit so viel und so wenig zu tun wie andere gleichaltrige Deutsche. Empört über den Gedanken, sich zum „Anschauungsobjekt“ für eine Schulklasse machen zu lassen, will er dem betreffenden Lehrer einen Brief mit einer entschiedenen Absage schreiben.

Was als knappe Erklärung gedacht war, entwickelt sich zu einem überraschenden Dialog zwischen Goldfarb und seinem imaginären Gegenüber und wird zu einer ganz persönlichen Abrechnung mit dem deutsch-jüdischen Verhältnis und auch mit seiner eigenen Lebensgeschichte. Sein Leben schwankt zwischen Anpassung und trotziger Betonung der jüdischen Tradition, eine fortwährende Suche nach dem eigenen Selbstverständnis und dem Selbstverständnis einer nachgeborenen Generation von entwurzelten, vertriebenen und
getöteten Juden, für die Deutschland, trotz allem was passiert ist, wieder eine Heimat geworden ist.

Der jüdische Autor Charles Lewinsky, der sich selbst „nicht als Jude von Beruf“ bezeichnet, setzt sich in Ein ganz gewöhnlicher Jude mit der deutschen Realität auseinander und begegnet dabei Christen, Muslimen, Juden und Atheisten. Am Beispiel „Jude sein in Deutschland“ wird der alltägliche Umgang mit der deutschen Geschichte und der persönliche Kontakt mit Juden und anderen religiösen oder ethnischen Minderheiten hinterfragt und diskutiert.