… und im Aug‘ die falsche Träne

Premiere

Spielzeit 2020/21

Reich' mir zum Abschied noch einmal die Hände

Eine Sekunde im Leben des Paul Abraham
Schauspiel von Rainer Holden

Anfang der 1930er-Jahre war er genau zweieinhalb Jahre lang einer der erfolgreichsten Komponisten der Welt: Paul Abraham. An seinem damaligen Wirkungsort Berlin war er 1930 sozusagen aus dem Nichts aufgetaucht und hatte mit seinen Operetten Viktoria und ihr Husar, Die Blume von Hawaii und Ball im Savoy eine neue Ära des unterhaltenden Musiktheaters eingeleitet. Dazu komponierte er unzählige Filmmusiken und Schlager. Doch diese Ära währte nur kurz. Einen Monat nach der triumphalen Uraufführung von Ball im Savoy im Deutschen Theater Berlin kamen die Nationalsozialisten an die Macht und vertrieben den Juden Paul Abraham, verboten seine Musik und konfiszierten sein Vermögen. Abraham floh zunächst in seine ungarische Heimatstadt Budapest. Von dort konnte er, auch in Wien, weiterhin wirken und brachte noch die Operetten Märchen im Grandhotel, Dschainah und Roxy und ihr Wunderteam heraus. Bald aber musste er seine Flucht über Paris und Kuba in die USA fortsetzen. Galt er in Europa noch als modern, so musste er in New York plötzlich von neuem beginnen. Hinzu wurde seine Kreativität durch eine nicht behandelte Krankheit behindert. Es war die Syphilis, die ihn schließlich im letzten Stadium in den Wahnsinn führte. Zehn Jahre vegetierte er im riesigen Creedmoor State Hospital als einer von 5000 Psychiatriepatienten unter entwürdigenden Umständen dahin. Erst 1956 schaffte es eine Bürgerinitiative Paul Abraham nach Hamburg zu holen, wo er im Universitätskrankenhaus Eppendorf landete – ausgerechnet auf der Station eines ehemaligen NS Mediziners.

… und im Aug’ die falsche Träne erinnert an einen großen Star der Operettenwelt, der von den Nazis verjagt und ins Vergessen gedrängt wurde. Die Uraufführung lässt Paul Abraham und seine Melodien wieder auferstehen: Abraham reflektiert sein Leben, sein Werk und begegnet dabei Freunden, Verbündeten wie Gegnern. Eine bewegende wie unterhaltsame Rückschau auf das Leben eines ganz großen Komponisten.

Leitung

Inszenierung
Ulf Dietrich