Muttertier
Schauspiel von Leo Lorena Wyss
Lesung
Groß, Mittel und Klein sehen oft fern, aber immer denselben Film: den mit dem Schiff, dem Eisberg, der Frau mit den roten Haaren und ihm. Sie machen sich Fischstäbchen, spielen mit Inbrunst die Titanic-Szenen im Innenhof nach und essen Erdnussflips. Das Muttertier schläft währenddessen und darf nicht geweckt werden. Wenn es aber wach ist, sieht die Welt plötzlich ganz anders aus. Sie spielen gemeinsam und fahren sogar ins Hallenbad. Doch das Glück währt nicht lange. Denn bald wird das Muttertier wieder müde und verschwindet im Schlafzimmer. Während die Große die Leerstelle permanent zu ersetzen versucht, wütet die Mittlere mit sich selbst und die Kleine schottet sich immer weiter ab.
Drei Geschwister reflektieren am Krankenhausbett der Mutter ihre Kindheit und ihren Umgang mit der psychischer Erkrankung der Mutter. Leo Lorena Wyss’ poetische Sprache lässt das Publikum in dieser Lesung auf eindrucksvolle Weise in die Welt der Kinder eintauchen, in der eine Mutter fehlt.